Das Leben ein Wettlauf?

Schneller und schneller werden wir. Jeden Tag ein bischen schneller. Wir rennen von A nach B und halten niemals ein. Wer stehen bleibt, der hat verloren. Denn die Welt bewegt sich nun einmal schnell – und wer nicht mitrennt der wird überfahren… oder sowas. Jeder einzelne Mensch muss Ziele haben. Visionen. Was wäre die Welt nur ohne unsere Geschwindigkeit? Da springt einer von der Stratosphäre. Der Sinn ist der „Kick“, das „schnell sein“ das klare Ziel – Was dabei verloren geht fällt nur wenigen auf.

Auf wessen Kosten werden wir schneller? Was legen wir ab, wohin wollen wir damit eigentlich genau? Jeder hat seine Antwort auf die Frage was er will und meist noch eher was er oder sie eben nicht will.

Man stelle sich nur einmal vor alleine irgendwo unterwegs zu sein. In dem Moment, in dem man stehen bleibt, oder sich gar – scheinbar ziellos – auf eine Bank oder ähnliches setzt zieht man – wie magisch – die Blicke anderer an. Denn wer hat schon die Muße sich alleine auf eine Bank zu setzen? Man hat kein Ziel, keine Bestimmung, wenn man einfach so auf einer Bank sitzt. Und schon beginnst du dich unwohl zu fühlen. Du suchst nach einer Rechtfertigung für dein Verhalten, du suchst nach einem Weg, dein „auf der Bank sitzen und nichts tun“ zu legitimieren. Dabei kramst du dein tolles Smartphone heraus und schaust dir irgendwelche Bilder Fremder an, die dich ja eigentlich nicht wirklich interessieren. Eventuell telefonierst du auch, denn auch das dient zur Rechtfertigung. Am Ende sitzt du bestenfalls 20 Minuten auf dieser Bank, bevor du dich wieder weg bewegst. Nur nicht auffallen, nicht als Faul erscheinen.

Und wenn du Morgens aufstehst, frage ich mich, wie fühlst du dich? Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust, wenn du den Kleiderschrank aufmachst? Glaubst du wirklich du bist was besonderes? Du, mit deiner Retrobrille, deinem V-Ausschnitt TeeShirt mit dem Vogel drauf, mit deiner großen Plastik-Armbanduhr und deinem frischen Kurzhaarschnitt? Bist du der Meinung, dass du herrausstichst, wenn du ganz besonders angepasst bist?

Wer du bist ist nicht wichtig, wichtig ist ob du bist. Und heute bist du wenn du mitziehst, wenn du alternativ angepasst durch den Tag gehen kannst.

Herzlichen Glückwunsch!

Ich frage mich: Wo ist die Luft zum Atmen? Wo ist der Tanz im Leben, die innere Melodie?
Wir haben das alles verloren, wie Ballast weggeworfen. Wir haben unsere Freiheit mit Füßen getreten, haben sogar darum gebeten dass man uns die Freiheit nimmt. Und warum? Weil ihr das Rennen liebt! Weil ihr euch messen müsst, um euch selbst zu mögen.

Was wir dabei vergessen ist das Leben. Denn ich für meinen Teil unterscheide zwischen der bloßen Existenz, und einem selbstbestimmten Leben.